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Der Lehua-fressende Fisch

Eine hawaiianische Fabel erzählt von einer Familie von 'O'opu-Fischen, die am Unterlauf eines Flusses leben. Als einmal eine strahlend-rote Blüte des in den Höhen der Berge wachsenden Lehua Baumes auf der Wasseroberfläche vorübertreibt, entdeckt sie ein junger Fisch und fragt sich woher diese einzigartige Blüte, die er nie zuvor gesehen hat, wohl kommen mag...

 

Er macht sich auf den anstrengenden Weg flussaufwärts… ('O'opu können sich an Steinen festsaugen, sowie waghalsige Sprünge vollführen und so die höchsten Wasserfälle erklimmen.) Nicht wenige seiner Artgenossen lachen ihn aus und erklären ihn für verrückt: „Es gibt doch alles hier was wir brauchen. Was bringt´s dir zu wissen woher die Lehua-Blüte kommt?!? “ Der junge Fisch lässt sich davon nicht beirren: „Wie schön muss es wohl sein die Antwort zu kennen!!!“

 

Je weiter er stromaufwärts kommt, desto weniger Fische seiner Familie trifft er und desto weniger Nahrung findet er im klaren Wasser. Es wird auch zunehmend kälter und langsam schwinden seine Kräfte. Er rastet, schwimmt weiter… – Und so als ob schließlich sein Ende nah wäre, fühlt er plötzlich etwas völlig Neues: eine nie gekannte Leichtigkeit! Er hat die Quelle gefunden, wo es sprudelt und Felsen glitzern und frisches Wasser prickelt… ein paradiesischer Ort! Und als sein müder Körper zu versagen beginnt.... – splitsch!! – fällt neben ihm eine strahlend-rote Lehuablüte ins Wasser. Und er gönnt sich einen kräftigen Bissen vom Blütenblatt: !! Hrmpf!!

 

Die angebissene Lehua-Blüte treibt flussabwärts, zum Ort wo er der junge Fisch seine Reise begann. Wie der älteste 'O'opu-Fisch die angebissene Blüte an der Wasseroberfläche vorbeiwirbeln sieht, lächelt er: "Jemand hat Erkenntnis gekostet, denn es heißt: Ho´i ka ´o´opu ´ai lehua i hele i ka māpunapuna – Der 'O'opu, der sich von der Lehua ernährt, wandert den Weg zurück zur Quelle."

 

Quelle: “Kamalamalama – The light of knowledge, A Hawaiian Way to Knowledge, Health and Excellence“ von Partick Ka´ano´i

 

Anmerkung: 'O'opu 'ai lehua – der 'O'opu, der sich von Lehua ernährt – ist der poetische Ausdruck für 'O'opu, die man in den Bergen, am Oberlauf der Flüsse findet. Sie waren und sind in der hawaiianischen Kultur aufgrund ihres guten Geschmacks besonders geschätzt. Eier und Embryos werden ins Meer geschwemmt und im Laufe ihres Lebens wandern diese 'O'opus wieder flussaufwärts, zurück zur Quelle, wo sie sich wieder reproduzieren. Die strahlend roten und gelben Blüten der in den regenreichen Bergen wachsenden Lehua-Bäume gleichen dem Feuer und auch den wertvollen Federn endemischer Vögel. Die bewaldeten Berge sind der Ort der Götter und der höchsten Erkenntnis.

 

Sowohl 'O'opu, wie Lehua sind von ökologischer Misswirtschaft (Profit vor Nachhaltigkeit) und den bekannten Folgen moderner Ignoranz und Überheblichkeit bedroht.

 

Wie sehen 'O'opu aus?